[Rezension] Das Erbe der Tuchvilla

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Titel Das Erbe der Tuchvilla
Reihe Tuchvilla-Saga
Band 3. Band
Autor Anne Jacobs
Übersetzer
Illustrator
Verlag Blanvalet Verlag
Erschienen als Taschenbuch
Genre Historischer Roman
Preis 9,99€
Seitenzahl 670 Seiten
Bewertung .....

Das Erbe der Tuchvilla in drei Worten?

Begeisternd, emotional, zufriedenstellend.

Cover & Gestaltung von Das Erbe der Tuchvilla?

Die Cover der Tuchvilla-Saga sind alle wunderschön und passen super zusammen. Auf jedem Cover kann man eine Frau sehen, die auf ein herrschaftliches Gebäude zugeht, das gut die Tuchvilla sein kann. Bei der jungen Frau vermute ich, dass sie Marie darstellen soll, die eine zentrale Rolle innerhalb der Saga innehat. Die Farben sind warm und kraftvoll, ergeben ein stimmiges Gesamtbild. Vor allem in Kombination sehen die Cover wundervoll aus.

Worum geht es in Das Erbe der Tuchvilla?

Die Tuchvilla-Saga behandelt die Geschichte der Tuchfabrikantenfamilie Melzer, die in Augsburg lebt. Im Laufe der Reihe ereilt die Familie einige Schicksalsschläge, die auf drei Bände verteilt erzählt werden. Band 3 spielt in 1924, wodurch die Wirren nach dem Krieg, die Weimarer Republik und einiges an Augsburger Zeitgeschichte von besonderer Bedeutung sind. Was genau bei Familie Melzer im Abschlussband der Trilogie geschieht, werde ich euch aus Spoilergefahr natürlich nicht verraten.

Der Schreibstil von Anne Jacobs?

Man fühlt sich als Teil der Geschichte. Anne Jacobs schafft es, ihre Geschichten so zu schreiben, dass man das Gefühl hat, mitten in ihr zu stecken. Man taucht ein und kehrt erst am Ende der Handlung in die Realität zurück. Das schafft sie vor allem durch ihren Schreibstil. Sie mischt Augsburger Mundart mit Hochsprache, hält die Balance zwischen Anachronismen und Neologismen, damit der Leser sich heimisch fühlt, ohne über Worte zu stolpern. Die Monologe sind spritzig, die Beschreibungen plastisch. An keiner Stelle will man Überblättern, alles ist angenehm und flüssig zu lesen.

Das Figurenpersonal in Das Erbe der Tuchvilla?

Marie ist mir mitunter die liebste Figur aus der Tuchvilla-Saga. Sie ist von Anfang an eine wichtige Protagonistin, sie ist Dreh- und Angelpunkt der Tuchvilla. Ihre Entwicklung innerhalb des letzten Buchs sowie der gesamten Trilogie hat mir sehr gut gefallen. Sie ist erwachsener geworden, ist aber weiterhin standfest und treu in ihren Überzeugungen. Und diese werden im Abschlussband weiß Gott auf eine harte Probe gestellt.
Kitty mag ich auch sehr gerne. Sie ist quirlig und fröhlich, bringt frischen Wind in jede Gesellschaft und berührte mein Herz an einigen Stellen. Besonders das Ende hat mich für sie sehr gefreut. Da schlägt das Leserherz höher. Sie ist sich selbst sehr treu geblieben.
Mit Paul hatte ich in diesem Buch durchaus meine Probleme. Am liebsten hätte ich ihn und Marie gepackt und geschüttelt! Das konnte man sich ja stellenweise nicht mitansehen. Zum Glück konnte er seine Stellung in meinem Leseherzen bewahren, weil er eine positive Entwicklung durchmacht.
Lisa taucht auch mal wieder stärker auf. Was sich bei ihr so alles entwickelt fand ich wirklich toll. Sie hat es so verdient! Ich freue mich einfach für sie. Von der unsympathischen Figur aus Band 1 ist nichts zurückgeblieben.
Die restlichen Figuren – das tolle Personal, die zuckersüßen Kinder und weitere Nebenfiguren – waren alle gekonnt konstruiert, wirkten lebensecht, realistisch und greifbar. Die Antagonistin des Buchs wollte ich einfach fressen, so wenig sympathisch war sie mir – was aber für den Entwurf spricht! Die Figuren konnten sich innerhalb ihrer Charaktere super entwickeln, alles wirkte lebensecht und greifbar. Toll!

Positives über Das Erbe der Tuchvilla?

Ich liebe diese Reihe! Ich bin so unfassbar froh und traurig zugleich. Traurig, da die Saga nun vorbei ist. Glücklich, weil ich eine wundervolle Geschichte zu lesen bekam, tolle Figuren begleiten durfte und um eine großartige Leseerfahrung reifer bin.
Was mir an der Trilogie besonders gut gefällt, ist die Balance zwischen Fiktionalem und Historischem. Anne Jacobs versteht sich darauf, historische Ereignisse in eine fiktive Handlung einzubauen, sie zu deren Rahmen zu machen und die Schicksale ihrer Figuren darum zu weben. Man spürt dabei keinen Übergang zwischen historischen Begebenheiten und fiktionalen Einschüben, alles passt sich ineinander. Ich könnte euch noch stundenlang von dem tollen Plot, den super Figuren, der exzellenten Schreibe und meiner Begeisterung vorschwärmen, aber das würde den Rahmen dieser Rezension sprengen.

Empfehlung zu Das Erbe der Tuchvilla?

Ich kann diese Trilogie allen Lesern empfehlen, die historische Romane mit starken Frauenfiguren, tollem Setting, super Plot, exzellenter Schreibe und viel Genauigkeit lieben. Lest diese Reihe!


[Rezension] Bella Germania

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Titel Bella Germania
Reihe
Band Einzelband
Autor Daniel Speck
Übersetzer
Illustrator
Verlag Fischer Verlag
Erschienen als BRoschiertes Taschenbuch
Genre Roman, Familienroman
Preis 14,99€ [LE]
Seitenzahl 622 Seiten
Bewertung .....

Bella Germania in drei Worten?

Familiär, emotional, lehrreich.

Das Cover/Die Gestaltung von Bella Germania?

Das Cover von Bella Germania transportiert eine bestimmte Szene der Handlung. Nachträglich kann ich mir in den beiden Personen auf dem Motorrad gut Vincent und Giulietta vorstellen, die gemeinsam durch eine Straße fahren. Und obwohl das Buch ansonsten recht schlicht gestaltet ist, kommt bei mir – jedes Mal, wenn ich es betrachte – eine Woche von Dolce Vita auf. Ich imaginiere Sonnenschein, Strand, Meer, die Atmosphäre und die Wärme. Es ist für mich einfach etwas Besonderes.

Die Handlung/Das Setting von Bella Germania?

Die Handlung ist auf mehrere Personen und deren Anteil an der Geschichte aufgeteilt. Grundlegend geht es um eine italienische Familie und deren Schicksal, das sie als Gastarbeiter im Deutschland des Wirtschaftswunders erleben. Die Handlung spielt, sieht man von berichtartigen und längeren Analepsen einmal ab, in der Jetztzeit, in der Julia ihre Modemarke auf den Markt bringen will. Die Rückblicke handeln von Giulietta, Vincent, Giuliettas Bruder und ihrem Sohn Vincenzo.

Der Schreibstil von Daniel Speck?

Daniel Specks Schreibstil hat mich direkt fesseln können. Er schreibt sehr angenehm und flüssig, detailliert ohne überladen zu sein und doch schlicht. Der gesamte Roman liest sich stimmig und leicht, er perlt und berührt den Leser durch seine geschickte Wortwahl. Es existieren Nuancen zwischen den verschiedenen Figuren, die ihre Charaktereigenschaften auch auf der Textebene erkennbar machen.

Das Figurenpersonal in Bella Germania?

Ich habe alle Figuren ins Herz geschlossen. Das Thema Gastarbeiter und Italien hat für mich persönlich einen hohen Stellenwert, daher war dieses Buch für mich etwas ganz Besonderes. Auch, dass es namentliche Übereinstimmungen gibt, hat das Leseempfinden beeinflusst. Grundlegend kann ich in Daniel Specks Figuren grundsätzlich echte Menschen erkennen. Sie haben ihre Fehler, sie leiden, sie sind glücklich, sie sind einfach echt. Der Roman kam mir stellenweise nicht wie ein Roman vor, sondern wie eine Schilderung tatsächlicher Lebensgeschichten. Und diese Nähe konnte vor allem durch die Figuren geschaffen werden. Durch die relative Breite von Figuren, die im Laufe der Handlung eingeführt werden, kann der Leser sich mit vielen unterschiedlichen Figuren identifizieren. Ich persönlich konnte mich in Julia wiederfinden, aus mehr als einem Grund. Es fällt mir an dieser Stelle recht schwer, Figuren zu charakterisieren, die für den weiteren Verlauf der Geschichte wichtig sind. Ich möchte euch nichts vorwegnehmen. Nur eins: Die Figuren sind real und greifbar. Sie sind kantig und schroff, liebevoll und warm. Sie eröffnen dem Leser neue Blickwinkel. Ich habe sie alle ins Herz geschlossen.

Positives über Bella Germania?

Bella Germania liest sich unheimlich leicht und flüssig. Es wartet mit sehr detailliert ausgearbeiteten Figuren auf, die echter kaum sein konnten. Durch meine persönliche Nähe zum Thema Gastarbeit kam mir das Buch wie ein Bericht vor, der mir einige neue Blickwinkel eröffnet hat. Es ist unheimlich gut recherchiert und bietet ein umfassendes Bild der damaligen Zeit. Der Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart macht das Buch spannend, zudem es auch einen Klimax gibt, bei dem ich mir ein schöneres Ende gewünscht hätte.

Negatives über Bella Germania?

An dieser Stelle möchte ich nichts wirklich Negatives anmerken, dennoch liegt es mir auf der Seele. Das Ende des Romans war für mich beinahe perfekt. Es gibt jedoch eine Wendung, die ich mir verändert gewünscht hätte. Ob es daran liegt, dass das Buch mich an einer sehr persönlichen Saite berührt hat oder weil ich einfach eine kleine Romantikerin bin, kann ich an dieser Stelle selbst nicht sagen. Es ist keine Kritik, sondern vielmehr ein romantischer Wunsch gewesen.

Empfehlung zu Bella Germania?

Ich kann Bella Germania uneingeschränkt all jenen Lesern empfehlen, die Lust auf ein bisschen La dolce Vita haben. Die Familiendrama und Herzschmerz in Büchern mögen. Solchen Lesern, die sich von einem Buch davontragen und entführen lassen wollen, in eine Zeit, die ihre eigene Spannung und Anziehungskraft besitzt.


[Rezension] Der Mann, der ins KZ einbrach

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Titel Der Mann, der ins KZ einbrach
Reihe
Band Einzelband
Autor Denis Avey & Rob Broomby
Übersetzer Dietmar Schmidt
Illustrator
Verlag Bastei Lübbe Verlag
Erschienen als Taschenbuch
Genre Geschichte
Preis 9,99€
Seitenzahl 352 Seiten
Bewertung ....

Das Buch in drei Worten?

Aufwühlend, berichtend, beängstigend.

Wie ist das Cover?

Das Cover von Der Mann, der ins KZ einbrach wirkt auf den ersten Blick deprimierend. Das Cover ist an die Häftlingskleidung der Konzentrationslagergefangenen angelehnt, zudem sieht man etwas, das der obere Teil eines Stacheldrahtzauns sein könnte. Darauf sitzt ein Vogel, der wohl der Einzige ist, der in Bezug auf diese Thematik frei ist.

Worum geht es?

Es geht um die Lebensgeschichte von Denis Avey, der als Soldat im Zweiten Weltkrieg gekämpfte. Er geriet in italienische Gefangenschaft und kam schließlich, nach mehreren Fluchtversuchen, in ein Konzentrationslager des Nazi-Regimes – Ausschwitz. Er war dort unter dem Schutz der Genfer Konvention und erlebte das Leid der Gefangenen hautnah. Er sah, wie unzählige Menschen unter dem Joch der Diktatur der Nazis starben. Dabei schildert er seine kompletten Erinnerungen an seine Kriegszeit, die Nachkriegszeit (in der keiner etwas von seinen traumatischen Erlebnissen hören wollte) und der Offenbarung, dass Menschen der heutigen Zeit ihm zuhören wollen.

Wie war der Schreibstil?

Der Schreibstil ist größtenteils sachlich und schlicht. Lediglich an der Wortwahl lässt sich erahnen, dass Denis Avey ein Mann älteren Jahrgangs ist, lässt man die Informationen aus dem Text selbst außen vor.

Wie empfand ich das Buch?

Ich finde Berichte von Zeitzeugen zu verschiedensten Themen unglaublich spannend. Der Wissensdurst in mir treibt mich an, möglichst viele Informationen zu lernen. Daher wählte ich auch ein Buch über den Zweiten Weltkrieg. Nachdem ich das Buch bereits seit einem Jahr auf dem SuB liegen hatte, zog ich es heraus und begann es. Trotz der negativen Rezensionen, die dem Soldaten Denis Avey vorwerfen, die Geschichte sei erstunken und erlogen, die sagen, dass es Lücken gibt und das Buch unglaubhaft sei – all diejenigen konnte ich getrost ignorieren. Es ging mir nicht darum, Geschichtsschreibung zu lesen. Die Geschichte kenne ich. Ob seine Geschichte stimmt oder nicht, kann keiner von uns bezeugen. Es steht mir persönlich auch nicht zu, darüber zu urteilen, ob diese Geschichte wahr oder erfunden ist. Ich habe Hochachtung vor den Menschen, die den Krieg (oder generell Kriege) erleiden mussten und irgendwie wieder zu positiven Gedanken kommen. Ich empfand Denis Aveys Geschichte als bewegend und konnte stellenweise nur den Kopf schütteln vor so viel Grausamkeit und Menschenhass.

Kann ich das Buch weiterempfehlen?

Ich denke, dass das Buch lesenswert ist. Jeder sollte selbst entscheiden, ob er/sie ein solches Thema lesen möchte. Das Buch ist nichts für zartbesaitete Menschen, daher solltet ihr lieber einmal hineinlesen. Es gibt zwar keine blutigen, genauen Beschreibungen, allerdings ist das Thema an sich bereits grausam genug.