[Rezension] Das Erbe der Tuchvilla

10 Kommentare
Titel Das Erbe der Tuchvilla
Reihe Tuchvilla-Saga
Band 3. Band
Autor Anne Jacobs
Übersetzer
Illustrator
Verlag Blanvalet Verlag
Erschienen als Taschenbuch
Genre Historischer Roman
Preis 9,99€
Seitenzahl 670 Seiten
Bewertung .....

Das Erbe der Tuchvilla in drei Worten?

Begeisternd, emotional, zufriedenstellend.

Cover & Gestaltung von Das Erbe der Tuchvilla?

Die Cover der Tuchvilla-Saga sind alle wunderschön und passen super zusammen. Auf jedem Cover kann man eine Frau sehen, die auf ein herrschaftliches Gebäude zugeht, das gut die Tuchvilla sein kann. Bei der jungen Frau vermute ich, dass sie Marie darstellen soll, die eine zentrale Rolle innerhalb der Saga innehat. Die Farben sind warm und kraftvoll, ergeben ein stimmiges Gesamtbild. Vor allem in Kombination sehen die Cover wundervoll aus.

Worum geht es in Das Erbe der Tuchvilla?

Die Tuchvilla-Saga behandelt die Geschichte der Tuchfabrikantenfamilie Melzer, die in Augsburg lebt. Im Laufe der Reihe ereilt die Familie einige Schicksalsschläge, die auf drei Bände verteilt erzählt werden. Band 3 spielt in 1924, wodurch die Wirren nach dem Krieg, die Weimarer Republik und einiges an Augsburger Zeitgeschichte von besonderer Bedeutung sind. Was genau bei Familie Melzer im Abschlussband der Trilogie geschieht, werde ich euch aus Spoilergefahr natürlich nicht verraten.

Der Schreibstil von Anne Jacobs?

Man fühlt sich als Teil der Geschichte. Anne Jacobs schafft es, ihre Geschichten so zu schreiben, dass man das Gefühl hat, mitten in ihr zu stecken. Man taucht ein und kehrt erst am Ende der Handlung in die Realität zurück. Das schafft sie vor allem durch ihren Schreibstil. Sie mischt Augsburger Mundart mit Hochsprache, hält die Balance zwischen Anachronismen und Neologismen, damit der Leser sich heimisch fühlt, ohne über Worte zu stolpern. Die Monologe sind spritzig, die Beschreibungen plastisch. An keiner Stelle will man Überblättern, alles ist angenehm und flüssig zu lesen.

Das Figurenpersonal in Das Erbe der Tuchvilla?

Marie ist mir mitunter die liebste Figur aus der Tuchvilla-Saga. Sie ist von Anfang an eine wichtige Protagonistin, sie ist Dreh- und Angelpunkt der Tuchvilla. Ihre Entwicklung innerhalb des letzten Buchs sowie der gesamten Trilogie hat mir sehr gut gefallen. Sie ist erwachsener geworden, ist aber weiterhin standfest und treu in ihren Überzeugungen. Und diese werden im Abschlussband weiß Gott auf eine harte Probe gestellt.
Kitty mag ich auch sehr gerne. Sie ist quirlig und fröhlich, bringt frischen Wind in jede Gesellschaft und berührte mein Herz an einigen Stellen. Besonders das Ende hat mich für sie sehr gefreut. Da schlägt das Leserherz höher. Sie ist sich selbst sehr treu geblieben.
Mit Paul hatte ich in diesem Buch durchaus meine Probleme. Am liebsten hätte ich ihn und Marie gepackt und geschüttelt! Das konnte man sich ja stellenweise nicht mitansehen. Zum Glück konnte er seine Stellung in meinem Leseherzen bewahren, weil er eine positive Entwicklung durchmacht.
Lisa taucht auch mal wieder stärker auf. Was sich bei ihr so alles entwickelt fand ich wirklich toll. Sie hat es so verdient! Ich freue mich einfach für sie. Von der unsympathischen Figur aus Band 1 ist nichts zurückgeblieben.
Die restlichen Figuren – das tolle Personal, die zuckersüßen Kinder und weitere Nebenfiguren – waren alle gekonnt konstruiert, wirkten lebensecht, realistisch und greifbar. Die Antagonistin des Buchs wollte ich einfach fressen, so wenig sympathisch war sie mir – was aber für den Entwurf spricht! Die Figuren konnten sich innerhalb ihrer Charaktere super entwickeln, alles wirkte lebensecht und greifbar. Toll!

Positives über Das Erbe der Tuchvilla?

Ich liebe diese Reihe! Ich bin so unfassbar froh und traurig zugleich. Traurig, da die Saga nun vorbei ist. Glücklich, weil ich eine wundervolle Geschichte zu lesen bekam, tolle Figuren begleiten durfte und um eine großartige Leseerfahrung reifer bin.
Was mir an der Trilogie besonders gut gefällt, ist die Balance zwischen Fiktionalem und Historischem. Anne Jacobs versteht sich darauf, historische Ereignisse in eine fiktive Handlung einzubauen, sie zu deren Rahmen zu machen und die Schicksale ihrer Figuren darum zu weben. Man spürt dabei keinen Übergang zwischen historischen Begebenheiten und fiktionalen Einschüben, alles passt sich ineinander. Ich könnte euch noch stundenlang von dem tollen Plot, den super Figuren, der exzellenten Schreibe und meiner Begeisterung vorschwärmen, aber das würde den Rahmen dieser Rezension sprengen.

Empfehlung zu Das Erbe der Tuchvilla?

Ich kann diese Trilogie allen Lesern empfehlen, die historische Romane mit starken Frauenfiguren, tollem Setting, super Plot, exzellenter Schreibe und viel Genauigkeit lieben. Lest diese Reihe!


[Rezension] Bella Germania

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Titel Bella Germania
Reihe
Band Einzelband
Autor Daniel Speck
Übersetzer
Illustrator
Verlag Fischer Verlag
Erschienen als BRoschiertes Taschenbuch
Genre Roman, Familienroman
Preis 14,99€ [LE]
Seitenzahl 622 Seiten
Bewertung .....

Bella Germania in drei Worten?

Familiär, emotional, lehrreich.

Das Cover/Die Gestaltung von Bella Germania?

Das Cover von Bella Germania transportiert eine bestimmte Szene der Handlung. Nachträglich kann ich mir in den beiden Personen auf dem Motorrad gut Vincent und Giulietta vorstellen, die gemeinsam durch eine Straße fahren. Und obwohl das Buch ansonsten recht schlicht gestaltet ist, kommt bei mir – jedes Mal, wenn ich es betrachte – eine Woche von Dolce Vita auf. Ich imaginiere Sonnenschein, Strand, Meer, die Atmosphäre und die Wärme. Es ist für mich einfach etwas Besonderes.

Die Handlung/Das Setting von Bella Germania?

Die Handlung ist auf mehrere Personen und deren Anteil an der Geschichte aufgeteilt. Grundlegend geht es um eine italienische Familie und deren Schicksal, das sie als Gastarbeiter im Deutschland des Wirtschaftswunders erleben. Die Handlung spielt, sieht man von berichtartigen und längeren Analepsen einmal ab, in der Jetztzeit, in der Julia ihre Modemarke auf den Markt bringen will. Die Rückblicke handeln von Giulietta, Vincent, Giuliettas Bruder und ihrem Sohn Vincenzo.

Der Schreibstil von Daniel Speck?

Daniel Specks Schreibstil hat mich direkt fesseln können. Er schreibt sehr angenehm und flüssig, detailliert ohne überladen zu sein und doch schlicht. Der gesamte Roman liest sich stimmig und leicht, er perlt und berührt den Leser durch seine geschickte Wortwahl. Es existieren Nuancen zwischen den verschiedenen Figuren, die ihre Charaktereigenschaften auch auf der Textebene erkennbar machen.

Das Figurenpersonal in Bella Germania?

Ich habe alle Figuren ins Herz geschlossen. Das Thema Gastarbeiter und Italien hat für mich persönlich einen hohen Stellenwert, daher war dieses Buch für mich etwas ganz Besonderes. Auch, dass es namentliche Übereinstimmungen gibt, hat das Leseempfinden beeinflusst. Grundlegend kann ich in Daniel Specks Figuren grundsätzlich echte Menschen erkennen. Sie haben ihre Fehler, sie leiden, sie sind glücklich, sie sind einfach echt. Der Roman kam mir stellenweise nicht wie ein Roman vor, sondern wie eine Schilderung tatsächlicher Lebensgeschichten. Und diese Nähe konnte vor allem durch die Figuren geschaffen werden. Durch die relative Breite von Figuren, die im Laufe der Handlung eingeführt werden, kann der Leser sich mit vielen unterschiedlichen Figuren identifizieren. Ich persönlich konnte mich in Julia wiederfinden, aus mehr als einem Grund. Es fällt mir an dieser Stelle recht schwer, Figuren zu charakterisieren, die für den weiteren Verlauf der Geschichte wichtig sind. Ich möchte euch nichts vorwegnehmen. Nur eins: Die Figuren sind real und greifbar. Sie sind kantig und schroff, liebevoll und warm. Sie eröffnen dem Leser neue Blickwinkel. Ich habe sie alle ins Herz geschlossen.

Positives über Bella Germania?

Bella Germania liest sich unheimlich leicht und flüssig. Es wartet mit sehr detailliert ausgearbeiteten Figuren auf, die echter kaum sein konnten. Durch meine persönliche Nähe zum Thema Gastarbeit kam mir das Buch wie ein Bericht vor, der mir einige neue Blickwinkel eröffnet hat. Es ist unheimlich gut recherchiert und bietet ein umfassendes Bild der damaligen Zeit. Der Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart macht das Buch spannend, zudem es auch einen Klimax gibt, bei dem ich mir ein schöneres Ende gewünscht hätte.

Negatives über Bella Germania?

An dieser Stelle möchte ich nichts wirklich Negatives anmerken, dennoch liegt es mir auf der Seele. Das Ende des Romans war für mich beinahe perfekt. Es gibt jedoch eine Wendung, die ich mir verändert gewünscht hätte. Ob es daran liegt, dass das Buch mich an einer sehr persönlichen Saite berührt hat oder weil ich einfach eine kleine Romantikerin bin, kann ich an dieser Stelle selbst nicht sagen. Es ist keine Kritik, sondern vielmehr ein romantischer Wunsch gewesen.

Empfehlung zu Bella Germania?

Ich kann Bella Germania uneingeschränkt all jenen Lesern empfehlen, die Lust auf ein bisschen La dolce Vita haben. Die Familiendrama und Herzschmerz in Büchern mögen. Solchen Lesern, die sich von einem Buch davontragen und entführen lassen wollen, in eine Zeit, die ihre eigene Spannung und Anziehungskraft besitzt.


[Monatsstatistik] August 2016

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Hallöchen ihr Lieben!

Und zack – da ist es auch schon September. Die Zeit zerrinnt einem zwischen den Fingern, und das Gefühl ist mehr als unangenehm. Latente Panik schiebt sich ein, das Großprojekt für die Uni will fertig werden. Dafür wird die Zeit langsam eng. Gelesen habe ich daher diesen Monat fast nur solche Bücher, die mir bei meiner Arbeit helfen. Doch auch privat ist das eine oder andere dazu gekommen. Immerhin, der Kopf möchte ja auch entspannen.

Gelesene Bücher

53. Kräuter der Provinz“ von Petra Durst-Benning, 512 Seiten, 4.5/5
54. „Eleanor & Park“ von Rainbow Rowell, 368 Seiten, 5/5
55. „Weil ich ein Dicker bin“ von Bertram Eisenhauer, 336 Seiten, 4/5
56. „Unsterblich – Tor der Nacht“ von Julie Kagawa, 544 Seiten, 5/5

Ich habe euch in diese Liste die mittelalterlichen Romane mal ausgespart, da ich sie ohnehin in keiner Liste führe. Sollte aber Interesse bestehen, kann ich gerne mal eine Reihe zur volkssprachlichen Literatur des Mittelalters verfassen, in der ich die bekanntesten Romane des Mittelalters mal bespreche. Schreibt es mir doch gerne in die Kommentare.

Ansonsten war der August wieder leseintensiver. 4 Bücher privat mit 1760 Seiten, dazu noch 4 versreiche höfische Romane und 1 Epos, damit kann ich mehr als zufrieden sein. In die endgültige Wertung gehen aber nur die privaten Bücher mit ein, die sich – gerade im Vergleich zu den Vormonten – mal wieder auf dem Weg der Besserung zeigt. Für den September kann ich aber vorhersagen, dass die Lesezeit noch weniger werden wird, aber bald ist es vorbei.

Neuzugänge

Hatte ich in den letzten Monaten keine Neuzugänge, so hatte es der August geburtstagsbedingt in sich.

1. „Das Ungeheuer“ von Terézia Mora
2. „Spinnentanz“ von Jennifer Estep
3. „Ein Sams zu viel“ von Paul Maar

4. „Grimms Kinder- und Hausmärchen Band 1“ von Hans und Jakob Grimm

5. „Grimms Kinder- und Hausmärchen Band 2“ von Hans und Jakob Grimm
6. „Grimms Kinder- und Hausmärchen Band 3“ von Hans und Jakob Grimm
7. „Baudolino“ von Umberto Eco
8. „Die tödlichen Talente des Mr. Diehl“ von Bradford Morrow

9. „Unsterblich – Tor der Nacht“ von Julie Kagawa
10. „Bella Germania“ von Daniel Speck

 

Challenges

Meine Challenges müsste ich im Oktober, wenn der ganze letzte Unistresse vorbei ist, mal wieder ordentlich einpflegen und aktualisieren. Momentan ist die Zeit einfach zu strak begrenzt, der Tag zu kurz für alles, was ich mir vornehme. Daher setze ich die Challenges in der Statistik nun mal aus.

Leseliste September

Im September werde ich, so befürchte ich zumindest, kaum zum Lesen kommen. Vielleicht schaffe ich mir kleinere Zeitfenster, in denen ich lesen werde, das wäre jedenfalls sehr wünschenswert. Geplant habe ich, meine noch begonnenen Bücher zu beenden, auch wenn diese nicht zur neuen Sub-Abbau-Extrem Monatsaufgabe passen. Da sie aber bereits vor dem 01. September begonnen waren, sollte das kein Problem sein. Ansonsten werde ich ein wenig nach Lust und Laune lesen.


[Rezension] Kräuter der Provinz

Keine Kommentare
Titel Kräuter der Provinz
Reihe
Band Einzelband
Autor Petra Durst-Benning
Übersetzer
Illustrator
Verlag Blanvalet Verlag
Erschienen als Klappbroschur
Genre Humor, Liebesroman
Preis 9,99€ [RE]
Seitenzahl 512 Seiten
Bewertung .....

Kräuter der Provinz in drei Worten?

Provinzentspannung, Freundschaft, Natur.

Cover & Gestaltung von Kräuter der Provinz?

Das Cover ist angenehm anzuschauen. Die Farben sind sehr stimmungsvoll, hell und freundlich und passen gut zur Atmosphäre des Buchs. Die Blumen passen ebenfalls gut zum Buch, da diese im Roman eine gesonderte Stellung einnehmen. Ansonsten ist das Cover recht zurückhaltend und schlicht gehalten.
Die Gestaltung im Roman selbst ist ebenfalls recht zurückhaltend. An jedem Kapitelanfang findet man eine kleine Blumenzeichnung.

Worum geht es in Kräuter der Provinz?

In Kräuter der Provinz geht es um viele kleinere Blickwinkel auf dieselbe Handlung, was das Buch sehr abwechslungsreich und interessant macht. Im Großen und Ganzen geht es darum, dass Bürgermeisterin Therese ihre Heimat vor dem Verfall retten will. Wie viele kleine Dörfer ist seine Existenz gefährdet, da immer mehr Menschen fortziehen. Doch wie kann das Dorf gerettet werden? Diese Frage wird im Laufe des Romans beantwortet.
Das Setting ist wunderschön. Mitten im Alpenvorland, mit grünen Wiesen, Bauernhöfen, Wäldern, Weihern, Äckern und Bergen spielt die Geschichte in einer Idylle. Schon beim Lesen konnte ich mir alles genau vorstellen und habe Fernweh bekommen.

Der Schreibstil von Petra Durst-Benning?

Petra Durst-Benning schreibt sehr angenehm. Es ist sehr leicht, in ihren Schreibstil einzusteigen, keine große Gewöhnungsphase wird benötigt. Es besteht ein ausgewogenes Verhältnis von Dialogen, Monologen und Beschreibungen. Alles in allem wirkt der Schreibstil sehr lebendig. Die Beschreibungen sind so gut, dass vor meinem geistigen Auge das Dorf Meierhofen aufgetaucht ist und ich Fernweh bekommen habe. Und auch die Figuren habe ich beinahe greifen können.

Das Figurenpersonal in Kräuter der Provinz?

Die Figuren haben mich ebenso überzeugen können, wie alle bisher besprochenen Punkte. Man erlebt die Geschichte um Maierhofen aus mehreren unterschiedlichen Blickwinkeln, wodurch Abwechslung und Spannung in die Geschichte kommt. Spannung insoweit, dass man erfahren will, wie ein bestimmter Handlungsstrang weitergeht. So ging es zumindest mir. Stellenweise konnte ich, beispielweise bei Greta, erahnen, in welche Richtung ihre Entwicklung abzielen wird, aber bei allen anderen Figuren konnte ich doch überrascht werden. Und Gretas Entwicklung war mir äußerst erwünscht. Die Figuren sind liebevoll gestaltet und durchdacht, jede hat ihre Stärken und Schwächen. Vor allem die Darstellung einer dynamischen Dorfgemeinschaft hat mir gefallen.

Positives über Kräuter der Provinz?

Das Buch weckt die Reiselust in mir. Es hat mich zum Lachen gebracht und wollte in einem Stück ausgelesen werden. Ich konnte es also gar nicht aus der Hand legen. Der Schreibstil animiert zum Lesen und auch die Aufteilung der Geschichte auf mehrere Sichtweisen hat den Leseprozess beschleunigt und interessanter gemacht. Der Plot ist gut angelegt und das Setting sehr stimmungsvoll. Petra Durst-Benning ist eine Autorin, die ich nun häufiger lesen möchte.

Kritik an Kräuter der Provinz?

Einen kleinen Kritikpunkt habe ich jedoch. Der betrifft Therese, wobei ich mich nicht genau äußern will, da ich andernfalls zu viel verrate. Es gab jedoch einen Punkt, den ich in anderen Büchern bewusst scheue. Glücklicherweise hat dieser Punkt jedoch eine untergeordnete Rolle gespielt.

Empfehlung zu Kräuter der Provinz?

Wer sich von einem Buch gerne Fernweh machen möchte, Ferienidylle in Buchform erleben und Teil einer Dorfgemeinschaft sein will, ist hiermit goldrichtig. Das Buch macht Spaß, es ist stimmungsvoll und entspannt einen. Lehnt euch in der Sonne zurück, nehmt dieses Buch und genießt ein wenig die Idylle einer voralpenländischen Natur. Ich danke dem Blanvalet Verlag herzlich für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Kräuter der Provinz.

 


[Rezension] Winterhonig

2 Kommentare
Titel Winterhonig
Reihe
Band Einzelband
Autor Daniela Ohms
Übersetzer
Illustrator
Verlag Knaur Verlag
Erschienen als Hardcover mit Schutzumschlag
Genre Historischer Roman, Liebesroman
Preis 19,99€ [RE]
Seitenzahl 592 Seiten
Bewertung .....

Winterhonig in drei Worten?

Bewegend, emotional, historisch.

Cover & Gestaltung von Winterhonig?

Das Cover ist sehr hell und freundlich gestaltet, zudem ist es ein richtiger Eyecatcher. Der Titel ist in einem wunderschön geschwungenen, in Gold gehaltenen Font gestaltet. Der Rest des Covers ist schwarz-weiß gehalten, am unteren Rand mit einem Sepiaeinschlag. Im Bildhintergrund kann man verschwommen eine junge Frau erkennen, die möglicherweise die Protagonistin Mathilda darstellen könnte. Ein rundum gelungenes Cover.

Worum geht es in Winterhonig?

In Winterhonig geht es vorrangig um die Liebesgeschichte zwischen Mathilda, dem jüngsten Kind einer zwölfköpfigen Familie, und Karl, dem Stallknecht des benachbarten Gestüts. Als Leser begleitet man Mathilda von Kindesbeinen an, erlebt die wichtigsten Abschnitte ihres Lebens hautnah mit, andere, für die Geschichte nicht zielführende Abschnitte werden gerafft und berichtet. Die Liebesgeschichte spielt zeitlich im Rahmen des Zweiten Weltkrieges und bietet damit zusätzlich für Spannung und Nervenkitzel. Die Liebesgeschichte ist sachte und zärtlich in den historischen Kontext eingebunden; beides geht Hand in Hand und fördert sich gegenseitig. Zudem sind die historischen Begebenheiten sehr lebendig, realistisch und greifbar dargestellt.

Der Schreibstil von Daniela Ohms?

Der Schreibstil hat etwas Zauberhaftes. Daniela Ohms schreibt auf den Punkt, und schafft es, mit ihrer Wortwahl der Geschichte eine zusätzliche Komponente zu geben. Die Autorin füllt den Text mit Leben, Emotionen und schafft es dennoch, ein leichtes und flüssiges Lesevergnügen zu bieten. Die Wortwahl passt sich den jeweiligen Figuren, Entwicklungen und Lebensabschnitten sowie Lebensumständen an, ohne dass man als Leser das Gefühl erhält, eine neue Figur vor sich zu haben oder eine Entwicklung der Charaktere verpasst zu haben.

Das Figurenpersonal in Winterhonig?

Die Figuren haben es mir genauso angetan, wie der gesamte Rest der Geschichte. Nicht nur Plot, Zeitraum und Schreibstil haben gepasst, auch die Figuren konnten mich von sich überzeugen und sich in mein Herz stehlen. Mathilda ist eine liebenswerte Figur, die zu einer zähen, starken und durchsetzungsfähigen Protagonistin heranwächst. Karl war mir ebenso lieb, obwohl die Geschichte zu einem größeren Teil aus ihrer Sicht geschildert wird. Karl ist ein sehr einfühlsamer, geduldiger und kluger Mensch, hinter dem mehr steckt, als man zunächst vermutet. Er ist ein wenig älter als Mathilda, reifer und sehr verantwortungsbewusst. Doch vor allem in der Liebesgeschichte blühen beide Figuren so richtig auf. Es war so unglaublich schön, mitzuerleben, wie die beiden einander finden, stärken und aneinander wachsen können. Die Verwandlung der beiden hat mir außerordentlich gut gefallen. Mit Einbruch des Krieges entdeckt man an allen Figuren an eine neue Seite, die ich sehr realistisch und lebensnah dargestellt fand. Karl ist kein Held, der im Alleingang seine Kompanie rettet; er bleibt sich als besonnener und kluger Kopf treu. Und auch Mathilda verändert sich weiterhin zum Positiven, lässt sich nicht unterkriegen und verkörpert das, was später von Millionen Frauen im Nachkriegsdeutschland zum Alltag gehörte: Stärke und Willen.

Positives über Winterhonig?

Mir hat das Buch einfach rundum gefallen. Ich habe keine Kritikpunkte, sei es an Plot, Figuren, historischem Setting oder der Liebesgeschichte. Ich liebe Liebesgeschichten, ich verschlinge historische Romane für mein Leben gerne – Winterhonig war also genau das richtige Buch für mich. Besonders schön fand ich, und das möchte ich hier hervorheben, dass die Titelgebung nicht nur aufgrund eines Satzes geschah, sondern ein bedeutungstragendes Element hervorhebt. Denn der Winterhonig hat eine zentrale Rolle in der Geschichte, was ich persönlich perfekt ausgewählt finde.

Empfehlung zu Winterhonig?

Ich kann das Buch allen empfehlen, die gerne historische Romane lesen. Zudem kann ich es Menschen empfehlen, die Liebesgeschichten lieben. Diese Liebesgeschichte ist sowohl leicht und zärtlich, als auch konfliktreich und theatralisch – die letzten beiden Begriffe sind der zeitlichen Einordnung geschuldet. Wer mit der Handlungszeit, sprich die Zeit um den Zweiten Weltkrieg, nichts anfangen kann, sollte lieber Abstand von dem Buch gehen, denn der Plot ist dicht mit der historischen Epoche verbunden. Allen anderen kann ich Winterhonig von Daniela Ohms wärmstens ans Herz legen. Ich danke dem Knaur Verlag für die Bereitstellung eines Leseexemplars für die lovelybooks Leserunde zu Winterhonig.

Weitere Meinungen zu Winterhonig:

Rezension von Tintenmeer


[Rezension] Herz verloren, Glück gefunden

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Titel Herz verloren, Glück gefunden
Reihe
Band Einzelband
Autor Christiane von Leffert
Übersetzer
Illustrator
Verlag Goldmann Verlag
Erschienen als Taschenbuch
Genre Frauenroman, Liebesroman, humoristischer Familienroman
Preis 8,99€ [RE]
Seitenzahl 384 Seiten
Bewertung .....

Herz verloren, Glück gefunden in drei Worten?

Familie, Emotionen, Entwicklung.

Das Cover von Herz verloren, Glück gefunden?

Das Cover von Herz verloren, Glück gefunden hat mich auf Anhieb angesprochen. Zu sehen sind farbenfrohe Muffins, Blumen, Kleidungsstücke und ein Haus – die Inbegriffe von Familie, Glück, Vorstadt und einer abgesicherten Zukunft. Dabei passt das Cover sehr gut zum Inhalt, lassen sich viele der Motive gut mit dem Inhalt des Buchs verknüpfen. Außerdem ist das Cover in seiner fröhlichen Gestaltung ein echter Hingucker.

Die Handlung/Das Setting von Herz verloren, Glück gefunden?

Victoria ist zweifache Mutter, Ehefrau eines erfolgreichen Bankmanagers und lebt in einem schicken Haus in der Vorstadt. Sie wähnt ihr Leben perfekt, bis sie ihre beste Freundin auf eine Arbeitsreise unternimmt und feststellt, dass es in ihrem Leben doch nicht so perfekt ist, wie sie zunächst dachte.

Das Buch hat mir unglaublich gut gefallen, da die Geschichte direkt aus dem Leben gegriffen ist. Victoria macht Erfahrungen, die so jedem beliebigen Menschen passieren könnten. Dabei reihen sich verschiedene Entwicklungen aneinander, die ihr gesamtes Leben Kopfstehen lassen. Und wie Victoria sich ihnen stellt und diese meistert, darum geht es in Christiane von Lafferts gelungenem Debütroman.

Der Schreibstil von Christiane von Leffert?

Der Schreibstil hat mir sehr gefallen. Der Roman lässt sich angenehm und flüssig lesen, es gibt eine gute Balance zwischen Beschreibungen, Gedankenmonologen und Dialogen. Der Schreibstil ist bildhaft und blumig genug, ohne zu detailliert zu werden. Man kann die Seeluft riechen, die Hunde bellen hören und den Sonnenschein auf der Haut fühlen, wenn man Herz verloren, Glück gefunden liest. Einfach ein rundum gelungenes Buch.

Die Figuren in Herz verloren, Glück gefunden?

Hach ja, die Figuren. Mit so einigen Figuren hatte ich einige Probleme, weil ich ganz klar auf Victorias Seite stehe. Leider habe ich persönliche Erfahrungen mit ähnlichen Menschen gemacht, was mich sehr sensibel hat werden lassen. Deswegen kam es vor allem bei Emily und Hubertus stellenweise zu heftigen Differenzen, weil mir Victorias Gefühlswelt in solchen Momenten sehr bekannt vorkam.
Victoria ist eine tolle Protagonistin. Sie macht eine Entwicklung durch, die mir außerordentlich gut gefallen hat. Sie schafft es endlich, sich selbst als Menschen zu entdecken und lieben zu lernen. Dabei ist sie bereit dazu, Menschen aus ihrem Leben ziehen zu lassen. Auch steht sie nach jedem Schicksalsschlag erneut auf, um ihr Glück zu finden. Stellenweise hätte ich sie gerne in den Arm genommen. Besonders gut gefiel sie mir wegen ihrer freundlichen, lebensbejahenden Einstellung. Sie ist einfach ein herzensguter Mensch, der gerne lacht.
Ihr Mann Hubertus hat mich zur Verzweiflung gebracht. Er steht unter großem beruflichen Stress, der ihn leider recht kalt werden lässt. Sein Umgang mit Victoria in solchen Situationen ging mir absolut gegen den Strich. Dafür konnte er mich im Laufe des Romans dennoch von sich überzeugen, was mich sehr überrascht und gefreut hat.
Emily, Victorias beste Freundin, hatte ich leider auch nicht immer ganz so gerne, wie ich sie gerne gehabt hätte. Dabei mag ich sie, abgesehen von ein paar Kleinigkeiten, echt gerne.
Die Herzmenschen aus der WG, Anna, Manni und Kristian mag ich unglaublich gerne. Die drei sind unglaublich toll. Und gerade die Mischung aus allen Figuren hat mir sehr gut gefallen. Ich muss nicht jede Figur lieben, um sie gut konstruiert und ausgestaltet zu finden. Denn das sind alle Figuren im Roman: Real, lebensnah und liebevoll gestaltet. Glücklicherweise konnte ich am Ende mit allen Figuren meinen Frieden machen, was mir kleinen Romantikerin sehr gut gefallen hat.

Positives über Herz verloren, Glück gefunden?

Für mich hat alles gepasst: Plot, Figuren, Wendungen, Entwicklungen und Ende. Ich bin ein absoluter Happyend-Mensch und wurde nicht enttäuscht. Zwar entwickelt das Ende sich in eine völlig andere Richtung, als man zu Beginn erwartet, allerdings bin ich super zufrieden. Vor allem die unterschiedlichen Figuren mit ihren verschiedenen Charakteren bringen Pepp in den Roman und machen ihn realitätsnah und echt. Und gerade solche Bücher liebe ich!

Empfehlung zu Herz verloren, Glück gefunden?

Christiane von Laffert hat mit ihrem Erstlingswerk Herz verloren, Glück gefunden einen humorvollen Roman geschrieben, der Familie, Glück und Selbstfindung thematisiert und den ich absolut empfehlen kann. Vor allem für LeserInnen, die realitätsnahe Romane mit Geschichten aus dem echten Leben bevorzugen, kann ich Herz verloren, Glück gefunden uneingeschränkt empfehlen.


[Rezension] Das Flugverhalten der Schmetterlinge

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Titel Das Flugverhalten der Schmetterlinge
Reihe
Band Einzelband
Autor Barbara Kingsolver
Übersetzer Sylvia Spatz
Illustrator
Verlag C. Bertelsmann Verlag
Erschienen als Hardcover mit Schutzumschlag
Genre Belletristik
Preis 19,99€ [RE]
Seitenzahl 464 Seiten
Bewertung ....

Das Flugverhalten der Schmetterlinge in drei Worten?

Wissenschaftlich, nachdenklich, positiv.

Das Cover von Das Flugverhalten der Schmetterlinge?

Das Cover von Das Flugverhalten der Schmetterlinge ist sehr schön anzuschauen. Darauf kann man die Monarchfalter, die heimlichen Protagonisten des Werks, sehen. Sie sind einfach wunderschön anzuschauen. Der Hintergrund ist hell gehalten, die Schriftzüge in rot und blau, das Buch selbst erstrahlt in einem warmen Orangeton.

Die Handlung/Das Setting von Das Flugverhalten der Schmetterlinge?

Der Leser landet in der wenig aufregenden Welt der Dellarobia Turnbow, Hausfrau und Mutter. Ihre Ehe und ihr Leben engen sie ein, also beschließt sie, fortzugehen. Doch dann entdeckt sie die Monarchfalter und tritt eine Welle los, die niemand hätte vorhersehen können. An diesem Punkt setzt dann langsam die eigentliche Handlung ein. Versteckt hinter einer Familiengeschichte spielt sich die wahre Handlung ab: Die Folgen der Verunreinigung der Erde durch alles, was der Mensch herstellt. Es geht um das diffizile Gleichgewicht der Welt und dass es bereits fünf nach zwölf ist. Der Mensch hat den Weckruf verpasst, andere müssen dafür bezahlen.
Vermittelt wird diese Botschaft durch Dellarobia, die im Laufe des Buchs immer mehr zu sich selbst zurückfindet.

Der Schreibstil von Barbara Kingsolver?

Mir hat Barbara Kingsolvers Schreibstil sehr gefallen. Das Buch ist etwas Besonderes, für das man eine besondere Lesestimmung braucht, ansonsten funktioniert es einfach nicht. Zumindest bei mir, weshalb ich tatsächlich fünf Leseansätze brauchte, um das Buch dann auch endlich zu Ende zu lesen. Das liegt an der besonderen Atmosphäre, die vor allem auch durch den Schreibstil getragen wird. Er ist flüssig und ruhig, nicht aufregend oder spannungsgeladen, aber auch nicht wissenschaftlich Dröge. Er ist bildlich, vor allem wenn Dellarobia Ovid in Alltagssprache übersetzt. Auch die wissenschaftlichen Teile haben mir gefallen. Sie waren gut eingebunden und für Menschen ohne Ahnung von Biologie sehr gut transkribiert.

Die Figuren Das Flugverhalten der Schmetterlinge?

Ich bin ehrlich, nicht alle Figuren fand ich sympathisch. Einige kamen mir recht flach vor, was aber auch daran liegen kann, dass die Protagonistin Dellarobia keine wirkliche Bindung zu ihnen hat. Oder aber es liegt daran, dass die Schmetterlinge die eigentlichen Protagonisten sind, was andere Figuren zu unwichtigen Statisten macht, die nicht genauer ausgearbeitet und betrachtet werden müssen. Diese Frage sollte aber jeder für sich klären. Dellarobia war mir zu Beginn ein wenig unsympathisch, empfand ich sie doch als anstrengend und schwierig. Schwierig fand ich auch die restlichen Bewohner, die als streng religiös beschrieben werden, alles als Gottes Wille hinnehmen und nichts hinterfragen. Aus diesen Menschen sticht Dellarobia jedoch deutlich hervor. Sie hinterfragt, will Dinge wissen und nicht nur glauben. Das hat mir sehr geholfen, sie immer mehr zu mögen. Letztendlich konnte Dellarobia mich mit ihrer Entwicklung überzeugen, verkörpert sie gegen Ende des Romans doch eine gänzlich andere Lebensweise und Einstellung.

Positives über Das Flugverhalten der Schmetterlinge?

Ich hatte zunächst etwas ganz anderes erwartet, als ich im Anschluss bekommen habe. Doch darüber bin ich sehr froh. Ich habe ein Buch mit kritischen Tönen und schönen Farben bekommen, das einem klarmacht, dass es so nicht weitergehen kann, die Hoffnung jedoch noch nicht aufgegeben werden muss. Es regt zum Nachdenken an, veranschaulicht viele Dinge, die für manch einen schwer zu fassen sind und lässt einen doch die Hoffnung nicht aufgeben. Die menschliche Tragödie im Vordergrund, tritt stellenweise gekonnt hinter der versteckten Botschaft zurück – zumindest habe ich dies so empfunden.

Ebenfalls gut fand ich den Einbezug der Wissenschaft. Wissenschaft wird hier als etwas vermittelt, dass es sich zu verstehen versuchen lohnt. Es ist nichts Eitles oder Abgehobenes daran, Wissenschaftler zu sein. Vor allem Dellarobia trägt dazu bei, dass Ovids Aussagen allgemeinverständlich werden.

Empfehlung zu Das Flugverhalten der Schmetterlinge?

Ich kann Das Flugverhalten der Schmetterlinge allen empfehlen, die ernsthaftere Töne in Büchern gern haben, da nicht nur die Geschichte von Dellarobia, sondern auch die der Monarchfalter leider nicht allzu positiv und fröhlich ist. Allerdings besteht in beiden Fällen Hoffnung auf ein Happyend, weshalb es zwar zum Nachdenken anregt, einen aber nicht in Depressionen verfallen lässt. Lest bitte einfach in dieses Buch rein, denn es bietet euch mehr, als ihr auf dem ersten Blick erahnen könnt.

Ich danke dem C. Bertelsmann Verlag herzlich für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Das Flugverhalten der Schmetterlinge.


[Rezension] Der Herr der Diebe

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Titel Der Herr der Diebe
Reihe
Band Einzelband
Autor Cornelia Funke
Übersetzer
Illustrator Cornelia Funke
Verlag Cecilie Dressler Verlag
Erschienen als Hardcover
Genre Kinderbuch
Preis 17,90€ [Leihbuch]
Seitenzahl 400
Bewertung .....

Der Herr der Diebe in drei Worten?

Liebe, Kindheit, Phantasie.

Das Cover von Der Herr der Diebe?

Das Cover von Der Herr der Diebe ist ebenso liebevoll gezeichnet, die restlichen Cover der Autorin. Besonders faszinierend dabei: Die Autorin zeichnet selbst. Ich liebe die kleinen Illustrationen, die sich überall in den Büchern verstecken. Sei es zum Kapitelanfang oder –ende, aber auch viele kleine Zeichnungen zwischendrin, sie ergänzen einfach das Leseerlebnis. Besonders toll ist es, wenn die Autorin ihre eigenen Figuren zeichnet, und dem Leser damit bei der Vorstellung schwieriger Sachen oder Personen unter die Arme greift.

Die Handlung/Das Setting von Der Herr der Diebe?

Wisst ihr eigentlich, dass ich Bücher von Cornelia Funke unglaublich gerne lese? Sie begleiten mich schon seit meiner Kindheit und können mich jedes Mal aufs Neue begeistern. Zunächst als sechstes Mitglied der Wilden Hühner groß geworden, entdecke ich nun Stück für Stück die weiteren Werke der Autorin. Die Tintenwelt konnte mich begeistern, und auch die Spiegelwelt hält mich in ihren Fängen. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis ich Der Herr der Diebe auch endlich einmal lesen werde.

Das Buch handelt von Bo und Prosper, deren gemeiner Tante und einer zauberhaften Stadt in Italien, Venedig. Zudem kommt eine Kinderbande und der Herr der Diebe vor – alles in allem genau das, was ich als Kind wahnsinnig gerne gelesen hätte. Die Jahre, die mich von meinem Wilde Hühner lesenden ich trennen, schmolzen beim Öffnen des Buchs einfach dahin. Das Buch bewirkt in gewisser Weise genau das, was sich einige immer wünschen: Eine Verjüngung. Ich war Teil der Bande, stromerte durch Venedig und fieberte mit Bo und Prosper mit.

Der Schreibstil von Cornelia Funke?

Was soll ich euch sagen? Ein Buch von Cornelia Funke in die Hand zu nehmen, ist für mich wie nach Hause zu kommen. Bereits ein Satz reicht aus, um mich in eine absolute Lesestimmung zu katapultieren. Es ist ein Decke-Tee-gutes Buch-Gefühl, das sich bei ihren Büchern automatisch bei mir einstellt. Ich kann am Schreibstil also überhaupt nichts aussetzen. An vielen Büchern für Kinder stört mich, dass die Bücher so enorm kindlich gehalten sind, dass ich sie nicht lesen mag. Cornelia Funke schreibt verständlich, aber nicht zu kindlich, sodass dem kindlichen Leser noch etwas zugetraut wird. Ich begrüße das sehr.

Die Figuren in Der Herr der Diebe?

Ich habe mich auf den ersten Zeilen direkt in die Figuren verliebt, bei den Antagonisten empfand ich sofort Abneigung. Vor allem Bo, Prosper, Scipio und Wespe haben es mir angetan. Ida und Victor konnten mich enorm begeistern, weil sie Erwachsene symbolisieren, die ihr inneres Kind nicht verloren haben. Und genau darum ging es: Um Kindheit und Erwachsensein. Den Spagat dazwischen, den Wunsch nach dem, was man nicht haben kann. All dies wurde wunderbar von den Figuren dargestellt. Während Bo ein absolut glückliches Kind ist, das beinahe in der Tradition der ewigen Kinder von ETA Hoffmann oder JM Barrie gesehen werden kann, repräsentieren die anderen Figuren unterschiedliche Stadien von Kindheit und Erwachsensein.

Bo konnte mich aufgrund seines ungeheuer fröhlichen und lebensfrohen Charakters begeistern. Prosper ist ein unendlich liebevoller großer Bruder, der wirklich alles in seiner Macht stehende tut, um seinen Bruder und seine Freunde zu beschützen. Wespe ist mir besonders nahe gewesen. Sie liest viel und ist herzensgut. Sie ist das Bindeglied der Bande. Mosca und Riccio konnten mich mit ihrer lustigen Art begeistern. Und Scipio tat mir unglaublich leid. Dennoch ist er eine faszinierende Person, wenn auch viel mehr als Nebenperson denn Protagonist. Zu guter Letzt die Erwachsenen Ida, Victor und Barbarossa. Ida und Victor habe ich einfach ins Herz geschlossen, da sie sich ihre Kindheit bewahren konnten, Barbarossa hat mir gar nicht gefallen. Er war einfach der Antagonist der Geschichte.

Positives über Der Herr der Diebe?

Dieses Buch ist einfach ein absolutes Wohlfühlbuch, das sich nicht nur an Kinder richtet. Auch Erwachsene können sich von Cornalia Funkes Der Herr der Diebe angesprochen fühlen. Der Wunsch der Kinder nach Volljährigkeit ist ebenso berücksichtigt worden, wie der Wunsch der Erwachsenen, erneut in ihre Kindheit eintauchen zu können. Das Buch bietet ein rundum zufriedenstellendes Leseerlebnis.
Zudem konnte mich auch der Plot begeistern, auch, wenn es ehrlich gesagt weniger um den Herrn der Diebe denn um die Kinderbande rund um Prosper und Bo geht. Aber das stört mich nicht im Geringsten.

Empfehlung zu Der Herr der Diebe?

Ich kann Der Herr der Diebe uneingeschränkt allen Menschen empfehlen, die in ihrem Herzen noch Kind geblieben sind. Es mag ein Jungbrunnen oder eine Reise zum kindlichen Ich sein, zumindest bietet es eine Auszeit vom anstrengenden Alltag als Erwachsener. Da ich mir dieses Buch aus meiner Lieblingsbibliothek ausgeliehen habe, werde ich mir Der Herr der Diebe unbedingt für mein Regal nachkaufen. Eine absolute Leseempfehlung.


[Rezension] Aprikosenküsse

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Titel Aprikosenküsse
Reihe
Band Einzelband
Autor Claudia Winter
Übersetzer
Illustrator
Verlag Goldmann Verlag
Erschienen als Broschertes Taschenbuch
Genre Liebesroman, Humor
Preis 9,99€ [RE]
Seitenzahl 416 Seiten
Bewertung .....

Aprikosenküsse in drei Worten?

Wundervoll, romantisch, lustig.

Das Cover von Aprikosenküsse?

Das Cover an sich ist sehr zurückhaltend gestaltet. Schöne Blautöne konkurrieren mit reifen Aprikosen, die durch den blauen Hintergrund zu strahlen scheinen. Am interessantesten ist die gewellte Struktur des Umschlags, der dem Buch eine weitere haptische Note verleiht.

Die Handlung/Das Setting von Aprikosenküsse?

Wir befinden uns größtenteils in Bella Italia. In einem eindeutig fiktiven kleinen Dörfchen, wie es in Italien viele davon gibt. Die Atmosphäre passt einfach, ich habe mich beim Lesen direkt wohlgefühlt. Dabei schafft es die Autorin vor allem, den Charme, die Gelassenheit und die Lebensfreude Italiens widerzuspiegeln. Die Handlung konnte mich ebenfalls von sich überzeugen, wobei sie stellenweise vorhersehbar war, aber ich erwarte einfach mein Happy End! Ich hatte mir eine lustige und stellenweise romantische Liebesgeschichte erwartet und genau dies habe ich bekommen.

Der Schreibstil von Aprikosenküsse?

Aprikosenküsse wird aus zwei Perspektiven erzählt, die die Autorin sehr authentisch rüber bringen konnte. Ihr Schreibstil ist sehr angenehm und flüssig, passt sich jedoch an die unterschiedlichen Charaktere der beiden Protagonisten sehr gut an. Je nach Perspektive ändern sich Wortwahl und Struktur des Textes. Diese Unterschiede sind jedoch nicht gravierend, sodass ein Wechsel sehr leicht fällt. Auch italienische Wörter sind passend und unauffällig eingearbeitet.

Die Figuren in Aprikosenküsse?

Hanna und Fabrizio hatte ich direkt ins Herz geschlossen. Und auch Lucia und Rosa-Maria und alle anderen Nebenfiguren hatten unheimlich viel Charme und Herz. Man konnte gar nicht anders, als sie zu mögen. Hanna war meine Identifikationsfigur: Halb Deutsche, halb Italienerin, gefangen zwischen zwei ähnlichen aber doch völlig anderen Kulturen. Sie selbst weiß sich nicht recht zu definieren, Fabrizio fällt dies ungleich leichter. Es kommt zwischen den beiden zu bissigen Dialogen, lustigen Wortspielen und komischen Situationen mit Tendenz ins Romantische. Alles, was ich mir von einem guten Liebesroman erwarte. Dabei ist Hanna nicht auf den Kopf gefallen, klischeebeladen oder ein Mauerblümchen. Sie hat eine gesunde Einstellung zu sich selbst, und das hat mir sehr gut gefallen. Fabrizio hat ebenfalls mehrere Seiten, die man nach und nach erst erkennt. Dies ist auch bei seinem Bruder Marco und Hanna der Fall. Den Figuren wird Raum zur Entwicklung gegeben.

Positives über Aprikosenküsse?

Mir haben Plot, Schreibstil, Setting, Atmosphäre und Figurenkonstellation sehr gut gefallen. Zwar gibt es das typische Hin-und-her-Drama, das Hanna sich mehr einbildet denn es tatsächlich existiert, aber das hat mich überhaupt nicht gestört. Auch das Ende hat mir zugesagt, bekomme ich doch sowohl mein Happy End, als auch eine starke Protagonistin, die trotz Liebe und Mann eigenständig bleiben kann. Zwar hätte sich mein romantisch schmachtendes Herz ein angeschobenes Kapitel gewünscht, aber das darf ich mir ja gerne selbst ausmalen.

Empfehlung zu Aprikosenküsse?

Ich kann dieses Buch allen empfehlen, die lustige Liebesromane lieben. Es hat Charme, Witz, Humor und Romantik, es bietet Abwechslung und dennoch starke Figuren. Mir hat das Buch unheimliche Freude bereitet, da vor allem das italienische Flair perfekt rüberkommt. Ich danke dem Goldmann Verlag herzlichst für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Aprikosenküsse.


[Monatsstatistik] Februar 2016

2 Kommentare

Hallöchen ihr Lieben!

Hach ja, da startete das neue Jahr so unglaublich gut, aber der Februar kam rein quantitativ nicht hinterher. Dafür hatte ich einfach unglaublich tolle Bücher im Februar, und Qualität geht hier vor Quantität.

Gelesene Bücher

21. „Ein Sams für Martin Taschenbier“ von Paul Maar, 208 Seiten, 4.5/5
22. „Sams in Gefahr“ von Paul Maar, 208 Seiten, 4.5/5
23. „Onkel Alwin und das Sams“ von Paul Maar, 208 Seiten, 4/5
24. „Ludwig II. Der unzeitgemäße König“ von Oliver Hilmes, 448 Seiten, 5/5
25. „Ranma 1/2 #12“ von RumikoTakahashi, 192 Seiten, 5/5
26. „Zwei für immer“ von Andy Jones, 432 Seiten, 4/5
27. „Aprikosenküsse“ von Claudia Winter, 416 Seiten, 5/5

2416 Seiten habe ich verputzt, immer noch eine sehr ordentliche Anzahl an Seiten. Zudem war die durchschnittliche Bewertung unglaublich hoch, kein Buch wurde schlechter als 4/5 Punkten bewertet. Das ist doch mal was. Abgebrochen habe ich leider dennoch ein Buch: „Die Kinder aus Bullerbü“ von Astrid Lindgren. Ich komme einfach mit dem Schreibstil dieser Frau nicht zurecht. Ich kann ihre Bücher einfach nicht lesen. So gerne ich es würde, und so großen Respekt ich für sie und ihre Werke habe, es geht einfach nicht. Schade.

Neuzugänge

1. „Aprikosenküsse“ von Claudia Winter [RE]

Nur ein Neuzugang und der war zusätzlich eine Vorbestellung. Der Sub-Abbau läuft und läuft. Bisher bin ich wirklich gut dabei.

Challenges

Bücherkultur-Challenge: +0 Bücher = 25/150 Büchern gelesen
Cup of English Reads: +0 Bücher = 0 gelesene Bücher
Golden Backlist: +4 Bücher = 20 gelesene Bücher
Serienkiller-Challenge: +1 Reihe beendet, +1 Reihe fortgeführt = 3 beendete Reihen
Spar-Challenge: +3,50€ = 13,50€
Weltenbummler-Challenge: +15 Punkte = 72 Punkte

Leseliste März

Der März steht ganz in der Tradition des Februar: Ich will begonnene Bücher beenden, Rezensionsexemplare und subbende Bücher lesen, rezensieren und mit euch teilen. Im Februar war ich auch endlich wieder produktiv was die Rezensionen angeht. Geschrieben, vorgeplant und hochgeladen. Jetzt müssen sie nur noch veröffentlicht und gelesen werden.