[Rezension] Das Orchideenhaus

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Titel Das Orchideenhaus
Reihe
Band Einzelband
Autor Lucinda Riley
Übersetzer Sonja Hauser
Illustrator
Verlag Goldmann Verlag
Erschienen als Broschiertes Taschenbuch
Genre Historischer Roman
Preis 9,99€
Seitenzahl 560 Seiten
Bewertung
Das Orchideenhaus
Das Orchideenhaus

Die Bücher von Lucinda Riley sind für mich aus vielerlei Gründen besonders unterhaltsam. Zum einen gefallen mir ihre Plots, Figuren und zeitlichen Settings immer sehr gut. Grund genug, Das Orchideenhaus endlich zu lesen, das eine ganze Weile auf meinem TBR schmachten musste.

An Lucinda Rileys Romanen fasziniert mich am meisten, dass mich nicht nur die historischen Handlungsstränge fesseln können, sondern auch die der Gegenwart. In Das Orchideenhaus führt ein schwerer Schicksalsschlag die Protagonistin Julia zurück an die Orte ihrer Kindheit, die erschütternde Geheimnisse bergen. Geheimnisse, die im historischen Handlungsstrang verborgen liegen und eine bewegende Geschichte eröffnen.

Julia hat mir als Protagonistin der Gegenwart in Das Orchideenhaus sehr gut gefallen

Julia hat mir als Protagonistin der Gegenwart sehr gut gefallen. Ihre Geschichte ist sehr verzwickt und erfährt am Ende eine überraschende Wandlung, die ich nicht habe kommen sehen. Nachdem sie bei einem Unfall ihre Familie verlor, muss sie den Weg zurück in ihr Leben finden. Dabei unterstützt sie Kit, der mir außerordentlich gut gefallen hat. Er ist ein warmherziger und hilfsbereiter Charakter, der mir beim Lesen viel Freude bereitet hat.

Die Figuren der Vergangenheit der Jahre des Zweiten Weltkriegs sind vielfältig. Am bedeutsamsten sind jedoch Harry, Olivia, Bill und dessen Frau Elsie. Wobei die Handlung nur aus der Perspektive von Harry und Olivia berichtet wird. Olivia ist zu Beginn der Geschichte ein zauberhaftes Mädchen, das ich unheimlich gerne hatte. Ihre Geschichte und Schicksalsschläge haben mich bewegt. Es war stellenweise nicht angenehm ihre Geschichte zu begleiten, da sie gleich an mehreren Stellen von ihr wichtigen Personen hintergangen wird. Harry hingegen war mir anfangs recht sympathisch, wirkte ein wenig zurückhaltend aber sehr fürsorglich. Den Verlauf seiner Geschichte habe ich als ambivalent empfunden, da er einige Entscheidungen trifft, die ich nicht gut heiße, wenngleich ich ihn in gewisser Weise verstehen kann.

In Das Orchideenhaus wurden Vergangenheit und Gegenwart sehr gut zusammengefügt

Die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart wurde sehr überzeugend umgesetzt. Das Orchideenhaus konnte alle offenen Fragen bei mir klären, mich mit einer in sich schlüssigen und konsistenten Lösung überzeugen und zufriedenstellen. Nichts ist unbefriedigender als ein Ende, das im Angesicht des Plots keinen Sinn ergibt. Lucinda Riley konnte aber alle Fäden bündeln und miteinander verweben. Es blieben keine Fragen offen.

Mein Romantikerinnenherz ist ebenfalls voll auf seine Kosten gekommen. Ob allerdings in der Vergangenheit oder Gegenwart, das müsst ihr selbst herausfinden. Mit Das Orchideenhaus habe ich einen facettenreichen und schillernden historischen Roman gelesen, der lebendige Figuren, tolle Handlungsstränge und spannende Plottwists besitzt. Für Freunde von historischen Romanen oder speziell den Romanen von Lucinda Riley eine volle Leseempfehlung!


[Rezension] Der Mann, der ins KZ einbrach

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Titel Der Mann, der ins KZ einbrach
Reihe
Band Einzelband
Autor Denis Avey & Rob Broomby
Übersetzer Dietmar Schmidt
Illustrator
Verlag Bastei Lübbe Verlag
Erschienen als Taschenbuch
Genre Geschichte
Preis 9,99€
Seitenzahl 352 Seiten
Bewertung ....

Das Buch in drei Worten?

Aufwühlend, berichtend, beängstigend.

Wie ist das Cover?

Das Cover von Der Mann, der ins KZ einbrach wirkt auf den ersten Blick deprimierend. Das Cover ist an die Häftlingskleidung der Konzentrationslagergefangenen angelehnt, zudem sieht man etwas, das der obere Teil eines Stacheldrahtzauns sein könnte. Darauf sitzt ein Vogel, der wohl der Einzige ist, der in Bezug auf diese Thematik frei ist.

Worum geht es?

Es geht um die Lebensgeschichte von Denis Avey, der als Soldat im Zweiten Weltkrieg gekämpfte. Er geriet in italienische Gefangenschaft und kam schließlich, nach mehreren Fluchtversuchen, in ein Konzentrationslager des Nazi-Regimes – Ausschwitz. Er war dort unter dem Schutz der Genfer Konvention und erlebte das Leid der Gefangenen hautnah. Er sah, wie unzählige Menschen unter dem Joch der Diktatur der Nazis starben. Dabei schildert er seine kompletten Erinnerungen an seine Kriegszeit, die Nachkriegszeit (in der keiner etwas von seinen traumatischen Erlebnissen hören wollte) und der Offenbarung, dass Menschen der heutigen Zeit ihm zuhören wollen.

Wie war der Schreibstil?

Der Schreibstil ist größtenteils sachlich und schlicht. Lediglich an der Wortwahl lässt sich erahnen, dass Denis Avey ein Mann älteren Jahrgangs ist, lässt man die Informationen aus dem Text selbst außen vor.

Wie empfand ich das Buch?

Ich finde Berichte von Zeitzeugen zu verschiedensten Themen unglaublich spannend. Der Wissensdurst in mir treibt mich an, möglichst viele Informationen zu lernen. Daher wählte ich auch ein Buch über den Zweiten Weltkrieg. Nachdem ich das Buch bereits seit einem Jahr auf dem SuB liegen hatte, zog ich es heraus und begann es. Trotz der negativen Rezensionen, die dem Soldaten Denis Avey vorwerfen, die Geschichte sei erstunken und erlogen, die sagen, dass es Lücken gibt und das Buch unglaubhaft sei – all diejenigen konnte ich getrost ignorieren. Es ging mir nicht darum, Geschichtsschreibung zu lesen. Die Geschichte kenne ich. Ob seine Geschichte stimmt oder nicht, kann keiner von uns bezeugen. Es steht mir persönlich auch nicht zu, darüber zu urteilen, ob diese Geschichte wahr oder erfunden ist. Ich habe Hochachtung vor den Menschen, die den Krieg (oder generell Kriege) erleiden mussten und irgendwie wieder zu positiven Gedanken kommen. Ich empfand Denis Aveys Geschichte als bewegend und konnte stellenweise nur den Kopf schütteln vor so viel Grausamkeit und Menschenhass.

Kann ich das Buch weiterempfehlen?

Ich denke, dass das Buch lesenswert ist. Jeder sollte selbst entscheiden, ob er/sie ein solches Thema lesen möchte. Das Buch ist nichts für zartbesaitete Menschen, daher solltet ihr lieber einmal hineinlesen. Es gibt zwar keine blutigen, genauen Beschreibungen, allerdings ist das Thema an sich bereits grausam genug.


[Leseeindruck] Das Tagebuch der Anne Frank

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Das Tagebuch der Anne Frank von Anne Frank, 7,95 Euro als Taschenbuch.
Erschienen bei Fischer.

Als ich Das Tagebuch der Anne Frank beendet hatte, wusste ich nicht so recht, was ich mit dem Buch bezüglich einer Rezension anfangen soll. Es könnte aufgefallen sein, dass ich in der Leseliste meines Blogs keine Punkte für das Tagebuch vergeben habe. Ich weigere mich einfach, ein Werk, das eine solche Botschaft transportiert unter denselben Maßstäben zu bewerten, wie rein fiktionale Bücher. Für mich ist der autobiografische Aspekt des Buchs einfach zu zentral, zu unübersehbar, als dass ich diesem Buch Punkte vergeben oder abziehen hätte können.

Die Geschichte der Anne Frank dürfte jedem bekannt sein, da ihr Schicksal dem zu vieler Menschen in den Jahren 1933 bis 1945 ähnelte. Trotz der tödlichen Situation, der beengten Verhältnisse und der tiefen Hoffnungslosigkeit hat dieses Mädchen sich ihren Mut bewahrt. Sie hat es geschafft, jeden Tag aufs Neue aufrecht zu sein, ein kleines Lächeln auf den Lippen zu haben und das Beste aus dem zu machen, das ihr zur Verfügung stand. Damit allein hat sie schon meinen Respekt erlangt.

Trotz ihrer jungen Jahre hat Anne Frank eine Selbstreflektion entwickelt, die vielen Erwachsenen heutzutage fehlt. Sie schüttet ihrem Tagebuch ihr Herz aus, über all das, was sie bewegt. Das mögen für einige belanglose Adoleszenzproblemchen sein, für mich sind sie der Beweis, dass dieses Mädchen trotz all der Regeln, die ihr Überleben sicherten, der Gefahren und Angst immer noch ein junges Mädchen war. Dennoch wird sie im Laufe der Zeit reifer und erwachsener, revidiert oder konkretisiert bereits getroffene Aussagen und verfügt über eine Abgeklärtheit in manchen Dingen des Lebens, die mich überraschte.

Das Tagebuch der Anne Frank mag kein Ausbund spannender Erzählungen sein, doch es ist ein wahrhaftiges Zeugnis der Zeit; ein Abbild, das uns davor bewahren sollte, dieselben Fehler zu wiederholen.